Gründen einer neuen Übersetzergruppe

Es gibt keine Gruppe für Ihre Sprache, aber Sie sind mutig und entschlossen genug, eine neue Gruppe zu gründen und ihr Koordinator zu werden? Wunderbar!

Die Aufgaben eines Koordinators

Der Koordinator einer Gruppe ist der primäre Ansprechpartner für die Gruppe und verantwortlich für die Organisation der anderen Übersetzer dieser Gruppe. Dies beinhaltet die Vermeidung des Umstandes, dass mehrere Übersetzer gleichzeitig versuchen, ein und dieselbe Anwendung zu übersetzen.

Koordinatoren müssen die GNOME I18N Mailing-Liste abonnieren. Das ist übrigens für jeden Übersetzer sehr zu empfehlen, für die Koordinatoren aber unbedingt notwendig.

Der Koordinator hat in der Regel Zugang zum GNOME CVS. Sollte dieser keinen Zugang haben, werden alle Mitglieder die Übersetzungen zu ihm schicken und er wird diese an eine Person mit einem CVS-Zugang weiterleiten. Das stellt sicher, dass alle Übersetzungen korrekt sind und zur richtigen Zeit an die richtigen Leute kommen.

Anfangs sicher weniger, aber es werden auch Fehler im Zusammenhang mit Ihren Übersetzungen auftreten. Jede Sprache wird als eigene Komponente im GNOME Bugzilla Fehlerverfolgungssystem aufgeführt.

Der Koordinator wird sich häufig mit den technischeren Aspekten der Übersetzungsarbeit beschäftigen müssen, wie z.B. Pluralformen, Aktualisierung von configure.in Dateien oder Erstellung von Übersetzungsvorlagen (.pot Dateien). All das wird später ausführlich erläutert.

Möglicherweise werden Sie sich auch mit der Anwerbung von neuen Mitgliedern beschäftigen müssen. Viele Hände lassen die Übersetzung schneller vorankommen, auch wenn es mehr organisatorische Arbeit für Sie als Koordinator bedeuten könnte.

Es liegt ebenfalls in der Verantwortung des Koordinators, diese Position rechtzeitig abzugeben. Sobald sich herausstellt, dass nicht mehr genug Zeit für dieses Amt vorhanden ist, sollten Sie einen geeigneten Nachfolger suchen.

Sprachkennung

Um mit einer neuen Sprache zu beginnen, muss zuerst die Sprachkennung bekannt sein. Diese besteht aus zwei bis drei Buchstaben. Gebräuchliche Sprachen haben häufig nur zwei, exotischere Sprachen eher drei Buchstaben. Bei Sprachen, die in mehr als einem Land gesprochen werden, folgt der Sprachkennung ein Unterstrich und eine zweistellige, groß geschriebene Landeskennung. Dieser wiederum kann ein @-Zeichen und weiterführende Informationen angehängt sein.

Beispiel 1. Sprachkennungen

frFranzösisch
en_GBEnglisch, wie es in Großbritannien verwendet wird
de_DE@euroDeutsch, wie es in Deutschland verwendet wird. Zusätzliche Anpassungen rund um die Euro-Währung

GNOME benutzt Standardkennungen, die im ISO Standard 639 (für Sprachen) und im ISO Standard 3166 (für Länder) definiert sind.

Falls die Kennung der Sprache nicht herauszufinden ist, hilft möglicherweise die Suche nach Übersetzungsbeiträgen in anderen Projekten, wie z.B. KDE, Mozilla oder OpenOffice weiter — diese sollten die gleichen Kennungen benutzen. Wenn auch das nichts bringt, sollte die GNOME I18N Mailing-Liste um Hilfe gebeten werden.

Die Sprachkennung wird zur Indentifikation der Übersetzungen und Normen benötigt, z.B. für die Namen der Locales und für Dateien. Sobald diese Kennung bekannt ist, kann mit dem Übersetzen begonnen werden.

Was für den Anfang benötigt wird

Es gibt eine Reihe von Dingen, die die Übersetzungsarbeit wesentlich erleichtern.

Eine Mailing-Liste

Sie wird als Forum benötigt, über das die Gruppe — vorzugsweise in der eigenen Sprache — kommunizieren kann. Sie kann zur Vermeidung von doppelten Übersetzungen und zu Diskussionen über schwer zu übersetzende Worte bzw. Ausdrücke genutzt werden und auch zu einem allgemein gültigen Wörterverzeichnis führen. Möglicherweise ist es angebracht, diese Liste mit einem Übersetzungsteam eines anderen Projekts (z.B. KDE) zu teilen. Hier können auch Ankündingen zu Übersetzungen bekannt gegeben werden.

Diese Mailing-Liste könnte auch von Nutzern der erstellten Übersetzungen für Rückmeldungen und allgemeine Diskussionen verwendet werden.

Eine Website

Eine Website ist bietet sich an, um damit neue Mitglieder anzuwerben und dadurch die Arbeit weiter zu verteilen. Dort kann auch aufgeführt sein, wer sich um welches Paket kümmert. Andere Sachen, wie zum Beispiel das Wörterverzeichnis könnten Sie ebenfalls hier abgelegen.

Ein Wörterverzeichnis

Es ist wichtig, dass alle Übersetzungen konsistent sind und die gleichen Ausdrücke benutzen. Das vermeidet Verwirrung bei den Anwendern. Ein allgemeines Wörterverzeichnis wird Ihnen dabei helfen, dass nicht mehrere Varianten einer Übersetzung für ein und dieselbe Sache entstehen. Es sollte nicht versucht werden, eine Übersetzung neu zu erfinden. Stattdessen sollten vorhandene Übersetzungen wiederverwendet werden. Deshalb sollten Sie nach einem allgemein genutzten Grundstock an Wörtern dieser Sprache oder nach bereits vorhandenen Übersetzungen suchen. Eine Anlehnung an die Ausdrucksweise von Microsoft Windows oder Apple OS X wäre eine Möglichkeit. Im Zweifel ist es aber vorzuziehen, sich an anderen freien Benutzeroberflächen zu orientieren. Falls ein neuer Ausdruck erstellt oder eine Wahl zwischen zwei Ausdrücken getroffen werden muss, sollte die Entscheidung und der Hintergrund dazu dokumentiert werden. Das vermeidet später Verwirrungen. Anfangs getroffene Entscheidungen werden mit Sicherheit nach einigen erstellten Übersetzungen wieder revidiert. Aber es passiert nur einmal, dass Sie eine Übersetzung beginnen und dabei Probleme feststellen.

In einigen Gruppen übersetzen die gleichen Personen auch KDE, Mozilla oder OpenOffice in die gleiche Sprache. Es gibt aber auch Gruppen, die sich nur um die Übersetzung von GNOME-Anwendungen kümmern. Im zweiten Fall ist es eine sehr gute Idee, Kontakt zu den anderen Gruppen aufzunehmen und herauszufinden, was sie für ihre Übersetzungen benutzen, worauf sie sich stützen usw.

Eine gute Grundlage, um ein Wörterverzeichnis aufzubauen, ist eine Kombination der Stilanleitung des GNOME Dokumentationsprojekts und dem Glossar des gnome-i18n Moduls. Das letztere benötigt allerdings eine Aktualisierung.

Ein IRC Channel

Die Vorteile sind hier sehr ähnlich zu denen einer Mailing-Liste, außer dass er für bestimmte Arten von Diskussionen zweckdienlicher ist. Speziell, wenn es sich um eilige Anfragen handelt. Er kann natürlich auch zur Hilfestellung für Anwender der Übersetzung genutzt werden. Das Freenode Netzwerk ist ein IRC-Netzwerk, dass Diskussionen um freie Software gewidmet ist. Es wäre ein geeigneter Platz für einen Channel dieser Art.

Die gettext Werkzeuge

gettext ist ein Paket, dass Werkzeuge zur Erstellung von übersetzbaren Zeichenketten, zur Umsetzung dieser Zeichenketten in Listen, zur Aktualisierung dieser Listen und zum Umwandeln der Listen in ein für den Rechner nutzbares Format enthält. Mindestens einer in der Übersetzergruppe, am besten aber so viele wie möglich, sollten die Grundlagen zur Benutzung der gettext-Werkzeuge beherrschen.

Dieses Paket wird bei vielen Linux-Distributionen installiert. Falls es nicht installiert wurde, sollte es zumindest verfügbar sein.

Ein Blick auf intltool lohnt sich ebenfalls. Es ist eine Art Frontend für gettext und übernimmt einige Arbeiten, die von einem Übersetzer gemacht werden müssen. Es ist für viele Distributionen verfügbar, aber meist ein oder zwei Versionen weiter, als die offiziellen Pakete. Die aktuellste Version kann aus dem GNOME CVS heruntergeladen werden: cvs checkout intltool.